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Reitwege im Taucherwald und im Landkreis Bautzen

Reitwegekarte Landkreis Bautzen (6,0 MiB)

Der Taucherwald

Taucherwald

Über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt ist der Taucherwald. Die Deutschen nennen dass unregelmäßige Geviert zwischen Uhyst, Großhänchen, Stacha und Taschendorf kurz „den Taucher“ die Sorben sagen „Tuchor“, abgeleitet von (s)tuchły  = dumpfig, modrig. Das trifft auch durchaus  zu, denn die Taucherquelle im früheren Brunnenteich, die nur in sehr trockenen Sommern versiegt, sorgt bis in die Hanglagen für wechselfeuchten Boden. Urkundlich wird der „Wald, genannt Tewer“ erstmals 1382 erwähnt. Damals bestätigte König Wenzel von Böhmen dem nahegelegenen Kloster St. Marienstern den Erwerb des Waldes von Peter von Witrich von Gusk (Gaußig). 1484 erwirbt die Stadt Bautzen den Taucher und das Dorf Uhyst. Durch den Pönfall büßt die Stadt 1547 den Taucherwald ein, der 1555 wieder zurückgekauft werden konnte. 1916 veräußerte Bautzen den Wald an einen Bischofswerdaer Holzwarenfabrikanten, der ein Jahr später 28 Prozent des 231 Hektar großen Areals abholzen lässt und die dadurch entstandenen Freiflächen zu Feldern macht. Infolge einer Zwangsversteigerung gelangte 1929 die Reichenbacher Bank in den Besitz des Waldes, aus dem sie Kapital zu schlagen hoffte. Die beabsichtigte Verkleinerung auf 91 Hektar veranlasste die Bevölkerung der umliegenden Dörfer zu heftigen Protesten. Daraufhin verhandelte die Landesforstverwaltung mit der Bank und übernahm den Taucherwald einschließlich Taschendorfer Försterei. Auf der Großhänchener Seite gab es die „Wendische Försterei“. Nicht ganz unbegründet entschied sich 1822 die Stadt Bautzen zur „Beibehaltung einer zweiten Försterwohnung am Taucherwalde und eines Heideläufers daselbst“, weil viele unberechtigte Nutzungen und Holzdiebstähle vorkamen. Um 1435 diente der von den Ortschaften etwas abgelegene Wald als Unterschlupf. Mertin Weczke aus Arnsdorf am Picho bekannte vor Gericht, dass er selbst Pferde und Kühe in Spittwitz, Schlungwitz und Diehmen gestohlen habe und verriet „Hansen Ber sine l(e)ute“ und „dy wagen, dy in den walt den Tawscher gingen und auch andirswo“. Wie so oft verdienten immer mehrere Leute am Geschäft, „und der kreczmer daselbist um Vgisd (Uhyst) brengit in speysse und trang in den han, daz bezalin sy“. 1496 erwischte Ratsförster Jacob Tupan sogar einen Adligen bei der unerlaubten Hasenjagd mit Netzen. Dieser wehrte sich mit Spießen und verletzte den Förster so schlimm, dass er seinen Verwundungen erlag. 1945 brannt infolge kriegerischer Kampfhandlungen der Forstort „ Auf dem Brande“. Diese Flurbezeichnung deutet darauf hin, dass hier nicht zum ersten Male Wald durch Feuer vernichtet wurde. Westlich des Stachaer und nördlich des Leutwitzer Flügels gab es die Flurbezeichnung „An der Brandwiese“. In diesem Zusammenhang sei an den großen Taucherwaldbrand im Jahre 1934 erinnert. Mit Erlaubnis der Försterei war es gestattet, die Wurzelstöcke gefällter Bäume zu roden, um die angespannte Brennstoffsituation nach dem Zweiten Weltkrieg zu mildern. 1946 trat der Borkenkäfer auf, der erst 1948 zurückgedrängt werden konnte.

 

Bis 1981 blieb der Taucherwald für jedermann zugänglich. Dann wurde er gesperrt, und die sowjetische Armee errichtete im Rahmen des Verteidigungssystems des Warschauer Paktes eine Raketenabschussbasis. Mitten im Wald wurden Abschussrampen, Bunker und Unterkunftsgebäude gebaut, die heute noch zu besichtigen sind.

Im Februar 1988 wurden die ersten Mittelstreckenraketen demontiert und vom Bischofswerdaer Bahnhof nach Transkaukasien verlegt. Zwei Jahre später betraten erstmals Forstleute wieder das Waldgebiet, um möglichst schnell eine Verbesserung des Waldzustandes zu erreichen. Die letzten Soldaten verließen erst im Mai 1992 den Taucherwald, der seit 1995 der Gemeinde Burkau gehört, die sich um die Renaturierung der alten Forststandorte (Leutwitzer, Pannewitzer, Stachaer, und Uhyster Flügel) bemüht.

Die älteste Nachricht über Holzarten im Taucherwald stammt aus dem Jahre 1704. Damals sollten Eichen und Ebereschen gepflanzt und Birkensamen ausgestreut werden. Buche, Tanne und Fichte waren sicherlich auch vorhanden, mussten aber nicht aufgeforstet werden und blieben deshalb wohl unerwähnt.

Die erste Vermessung und Taxation des Waldes fand 1741 statt. Um diese Zeit soll sich hier eine Wolfsgrube befunden haben. Da im 18. Jahrhundert der Wolf nicht mehr als Standwild in der hiesigen Gegend lebte, war die Grube wohl eher eine vorbeugende Maßnahme, um einzelne Tiere, die von Schlesien nach Sachsen wechseln wollten, zu fangen.

1979 konnte ein Hirsch erlegt werden.

Die höchste Erhebung des Taucherwaldes ist der Birkenberg (311 m), auf dem die Flurgrenze zu Pohla-Stacha verläuft. Vom südlichen Waldrand bieten sich dem Wanderer wundervolle Fernsichten. Bis 1523 befand sich im Taucherwald eine kleine Holzkapelle mit einem Gnadenbild der Muttergottes. Christian Heckel berichtet in seiner Chronik (1713), dass die „Taucher-Capell bey dem Dorffe Ugist, wegen bey dem Marien-Bilde daselbst allerley begangener Unzucht und Büberey abgebrochen“ wurde – auf Antrag der Stadt Budissin mit der Genehmigung des Bischofs! Die einzelnen Teile der Kirche kamen nach Bautzen, wo man sie auf dem heutigen Taucherfriedhof wieder zusammenfügte. Mit der Taucherwaldkapelle gelangten auch die Altäre und das Vermögen nach Bautzen. Die Marienstatue des Kirchleins brachte der letzte katholische Geistliche in Uhyst in seine Parochialkirche „zu fernerer Verehrung und Wallfahrt“ wie Chr. Knauthe in „Derer Oberlausitzer Sorberwenden umständliche Kirchengeschichte“ (1767) mitteilt. Damit war Uhyst für knapp drei Jahrzehnte zum Wallfahrtsort avanciert. Im Jahre 1551 gelangte die Statue nach Göda und verblieb dort bis 1559, dann verlieren sich die Spuren. Angeblich soll das Marienbild nach Crostwitz, später nach Rosenthal, dem bedeutendsten Ort der Marienverehrung katholischer Sorben in der Oberlausitz, gebracht worden sein. Aber das ist ungewiss. Seit 1994 gibt es im Taucher Gottesdienste zu Pfingsten und am Buss- und Bettag, an denen nicht nur Einheimische aus den Dörfern rings um das Waldstück teilnehmen.

Quelle: „Burkau und seine Ortsteile“  herausgegeben von der Gemeindeverwaltung Burkau