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Der neue Stolz der Landwirtschaft

von Sebastian Hein

SZ Bericht vom 02.08.2013

Burkau SZ Bericht vom Freitag, 02.08.2013
Der neue Stolz der Landwirtschaft
Bessere Bedingungen für Tiere, Arbeitsplätze gesichert: Vier Millionen Euro fließen in Burkaus neue Milchviehanlage. Von Carolin Menz
Der Chef der Burkauer Agrar GmbH, Steffen Mager, im neuen Kuhstall. Jedes Tier hat seine eigene Box. Wo, welches steht, entscheiden Rangkämpfe nach dem Einzug der Kühe. Die ranghöchste Kuh wird am nächsten zum Futter stehen. Alle anderen werden weiter laufen müssen. Von Sonne, Wind und Regen gestört wird keine: Jalousien schützen.
Fotos: T. Eckert ©thorsten eckert
Die Kühe müssen noch warten auf den Einzug in ihren neuen Stall. Steffen Mager eilt flugs zum Termin mit dem Klempner. Irgendwo ist da ein Leck in irgendeiner Leitung. Nun flitzt er wieder ins Büro. Das Telefon klingelt. Wie immer ein hektischer Morgen bei der Burkauer Agrar GmbH. Dabei will Chef Steffen Mager doch eigentlich in den Stall und noch eine Wand streichen – alles soll perfekt sein in der neuen Milchviehanlage. Sie ist die größte Investition der Burkauer Agrar GmbH seit ihres Bestehens 1991. Fast vier Millionen Euro. Der erfahrene Milchbauer hat lange gegrübelt, ob er es wagen soll. 2009 war der Milchpreis rapide gefallen. Doch er musste investieren– die Milchproduktion in Burkau sollte weitergehen, seine 13 Leute sollten ihren Job behalten. „Eine Alternative wäre gewesen, die Milchproduktion einzustellen. Doch wir haben es nie ernsthaft in Erwägung gezogen. Sie gehört hierher. Doch nicht unter jetzigen Bedingungen“, sagt Steffen Mager. 1967 wurde der bisherige Stall erbaut. Er ist marode, feucht, eng. Zu wenig können sich die Kühe hier bewegen. „Die Tiere wurden immer größer gezüchtet, sie passen heute nicht mehr auf die Liegeflächen“, so Steffen Mager. Mit einem Fuß stehen sie im eigens produzierten Dreck. Auch für Kühe unangenehm. Offene Türen am Sonnabend Also alles neu: Statt zwei Ställe gibt es nun einen, erbaut in 15 Monaten auf der grünen Wiese. 125 Meter lang, 35 Meter breit. Mit Platz für 506 Milchkühe. Und allem Komfort, den Kuh braucht. Jede hat ihre Box, klauenschonend ausgepolstert mit Schaumstoff. Das besondere: Müssen sie mal, müssen sie zwangsläufig zurücktreten, um sich nicht den Kopf zu stoßen. So wandert das, was hinten rauskommt, in den dafür vorgesehenen Bereich. Der Liegeplatz bleibt sauber und das Tier gleich mit. Der neue Güllebehälter übrigens, indem sich die Hinterlassenschaften ansammeln, steht weiter weg vom Dorf. Das reduziert die Geruchsbelästigung für Anwohner. Im neuen Stall wird viel Bewegung drin sein. Tiere müssen in Tritt kommen, wenn sie Hunger und Durst verspüren und gerade nicht zum Melken laufen. Das Futter – die täglich gleiche Mischration für gleichbleibende Milchqualität – gibt‘s am langgezogenen Futtergang. Das Wasserbecken aus Edelstahl ist wieder woanders und über Stufen zu erklimmen. Im alten Stall war das anders. Da gab es Futter direkt vor der Nase. Aber eben auch kranke Klauen und Gelenke, woran Kühe zu früh erkranken und ausfallen. „Mit dem neuen Stall erhoffen wir uns, dass die Tiere älter werden. Das ist ja auch ein wirtschaftlicher Aspekt“, sagt Steffen Mager. Am Wohlfühlfaktor dürfte ein langes Kuhleben zumindest nicht scheitern: Mehrere Ventilatoren sorgen für frische Luft, die auch über die Seiten und das Dach hineindarf. Über sensible Sensortechnik werden die Jalousien bedient. Sie schließen sich bei starker Sonnenstrahlung, Regen und Wind. Neu sind auch die Putzstationen für die Kühe. Ein wenig erinnern diese Bürsten an Schuhputzautomaten. Nur sind diese viel größer und der Form eines Kuhleibes angepasst. „Das werden sie lieben“, sagt Steffen Mager. Der 57-Jährige ist stolz auf den neuen Stall mit all seinen Raffinessen. In Summe werden sie dazu beitragen, dass es den Tieren bessergeht – und dass sie mehr Milch geben. Mit Milch verdient die Agrar GmbH Geld. Deshalb war es nur konsequent, dass Steffen Mager ein neues Melkhaus mit neuem Melkkarussell bauen ließ. Bis dreimal täglich werden die Kühe zum Melken getrieben, über Gummimatten zum Schutz der Klauen. 32 Milchkühe finden im Karussell Platz. Die neue Melktechnik ermöglicht, dass jedes Euterviertel einzeln abgemolken werden kann. Bis auf den letzten Tropfen. „Das ist wichtig, nur so vermeiden wir, dass sich Euter entzünden“, sagt Steffen Mager. Weil mit weniger Vakuum gemolken wird, sei diese Technik besonders schonend und schmerzfrei für Kühe, sagt Steffen Mager. „Wir haben uns bewusst gegen einen Melkroboter entschieden. Bei uns soll unbedingt der Mensch ein Auge auf die Kühe haben, vor jedem Melken. Nur ein Melker erkennt, ob ein Euter krank ist und vom Tierarzt behandelt werden muss.“ Die gewonnene Milch – über genaue Menge und Zusammensetzung informiert der Computer – fließt in den glänzenden Tank. Auch der ist neu. 25 000 Liter kann er fassen. Einmal am Tag rollt ein Lkw auf den Hof. Er bringt die Burkauer Milch zu den Heinrichsthaler Milchwerken Radeberg. Derzeit geben die knapp 550 Kühe rund 13 000 Liter täglich – hitzebedingt weniger als sonst. Knapp fünf Millionen Liter liefert die Agrar GmbH im Jahr nach Radeberg. Künftig sollen es noch mehr sein. In zehn Jahren will der Chef den Kredit für den Neubau abgezahlt haben, nicht sämtliche Kosten des Neubaus werden gefördert. In zehn Jahren rückt auch der Ruhestand heran. Steffen Mager will einen schuldenfreien, rentablen und zukunftsfähigen Betrieb hinterlassen. Daran denken mag er freilich jetzt noch nicht. Vielmehr denkt er an die nächste Baustelle. Wenn seine Kühe erst einmal im neuen Stall umgezogen sind, wird einer der beiden bisherigen Unterkünfte saniert und als Stall für Kühe umgebaut, die gerade nicht gemolken werden. Arbeit wird es immer geben. Am Sonnabend von 10 bis 16 Uhr lädt die Burkauer Agrar GmbH (Hauptstraße 234) Neugierige zum Tag der offenen Tür im neuen Kuhstall ein.

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