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Fröhlich noch mal von vorn

von Sebastian Hein

SZ Bericht vom 12.08.2013

Fröhlich nochmal von vorn

Karla Grziwa eröffnete eine Töpferei in Burkau. Ihr Ausweg aus der Arbeitslosigkeit. Von Carolin Menz

Wie wäre es mal mit einer neuen Kaffeetasse? Karla Grziwa hätte da eine Vi...elzahl selbstgetöpferte im Angebot in ihrem neuen Laden in Burkau. Die Regale für die Verkaufsware hat sie selbst gezimmert. Immer mittwochs öffnet sie ihre Türen. Wer mag, kann aber auch ganz spontan vorbeischauen. Fotos: Thorsten Eckert
Draußen ist der Sommer. Doch drinnen, in Karla Grziwas Töpferwerkstatt, ist es kühl. Die Burkauerin arbeitet dort, wo einst Kühe standen. An Stall erinnert hier aber wahrlich nichts mehr. Die Wände sind frisch gestrichen. Auf dem alten Holztisch duften Hortensien und Cosmea. Es riecht nach Neuanfang bei Karla Grziwa. Vor Kurzem eröffnete sie ihre eigene Töpferei. Seit Juli ist sie selbstständige Keramikern. Ihr Traum und ihr Weg heraus aus der Arbeitslosigkeit. Wieder einmal. Karla Grziwa kennt Brüche, Glücksumstände und Neubeginn. Wie das alles zusammengeht, erzählt sie im Gespräch mit der SZ.

Hallo, Frau Grziwa, wie geht’s Ihnen?

Danke, gut. Ich genieße gerade die Ordnung, die bei mir herrscht. Doch die kommt nur daher, dass ich am vorigen Sonntag mit einigen Gästen meine Töpferei eröffnet habe. Nun kann es endlich losgehen. Und dann wird es ganz schnell nicht mehr so ordentlich aussehen.

Mit 48 starten Sie jetzt als Keramikerin neu durch. Wie kam es?

Weil es eigentlich schon immer mein großer Traum war. Keramik begeistert mich seit der Schulzeit. Deshalb studierte ich nach dem Abitur auch Silikattechnik in Freiberg. Die Materialien Glas und Keramik faszinierten mich einfach und, aus etwas Ungebildetem etwas zu formen. Doch ich hatte Pech. Der Abschluss meines Studiums fiel direkt in die Wendezeit. Die Glasindustrie brach komplett zusammen.

Für Sie begann dann wohl ein nicht gerade geradliniges Berufsleben, oder ?

Ja, das kann man so sagen. Ich habe zum Beispiel in einer Baufirma gearbeitet und mich dort um die Kalkulation gekümmert. Meine letzte Anstellung hatte ich bis 2005 in einer Softwarefirma in Dresden. Dort wurde ich aber wie viele meiner damaligen Kollegen entlassen. Ein Ausweg aus der Arbeitslosigkeit war meine erste Selbstständigkeit – ich gründete die Filzwerkstatt „Filzapfel“. Doch dann kam 2006 unser drittes Kind zur Welt, unser Nachzügler. Da blieb dafür nicht die Zeit, die es gebraucht hätte, um es auf stabile Füße zu stellen.

Und nun Töpfern. Ihre neue Chance?

Ja, das ist es. Einen neuen Job zu finden war für mich fast unmöglich. Zwar habe ich viel Berufserfahrung, aber eben keinen Berufsabschluss. Ich hatte nach meinen Umschulungen immer nur Zertifikate erlangt. Damit stellt einen heute niemand ein. Doch dann bot mir das Arbeitsamt an, eine betriebliche Ausbildung zu finanzieren. Mein großes Glück und eine große Chance. Ich habe dann gedacht, wenn ich noch einmal etwas Neues beginne, dann will ich Töpperin werden. Ich konnte töpfern, hatte Scheibe und Ofen. Ich habe diese Leidenschaft ja nie aus den Augen verloren, immer mehr oder weniger intensiv betrieben.

Doch war es nicht unheimlich schwer, einen Ausbildungsbetrieb zu finden?

Auch da hatte ich riesiges Glück und bin noch heute sehr dankbar. Denn meine Ausbildung absolvierte ich von 2010 bis 2012 bei Töpferin Cornelia Lehmann hier in Burkau. Ich kannte sie und hatte einfach mal gefragt, ob sie sich das vorstellen könnte. Sie zögerte nicht lange, ehe sie Ja sagte.

Und das, obwohl sie sozusagen ihre künftige Konkurrentin ausbildete?

Ja, natürlich steht das Thema Konkurrenz immer mal im Raum. Aber wir empfinden das beide überhaupt nicht so. Wir sehen das Nebeneinander der Töpfereien – insgesamt gibt es ja drei in Burkau – eher als Bereicherung. Und die kann nur gut sei. Wir arbeiten sehr unterschiedlich und können so verschiedene Geschmäcker ansprechen. Wir starten auch gemeinsame Aktionen, wie Werkstattfeste. Denn nur so können wir doch letztlich Leute anziehen, nur wenn Vielfalt geboten wird, lohnt sich ein Besuch doch erst richtig.

Wie war das mit Mitte 40 noch einmal ganz neu zu lernen, gemeinsam mit jungen Leuten?

Natürlich war das erst einmal komisch. Ich war die älteste Auszubildende in der Berufsschule in Meißen. Doch wir waren nur sechs Schüler, da war das schnell überhaupt kein Thema mehr.

Und nun also die Selbstständigkeit mit Werkstatt und Laden in Burkau. Was finden Kunden bei Ihnen?

Vor allem Steinzeug, also Geschirr und Gebrauchsgeschirr. Ich biete zum Beispiel Teller, Töpfe, Tassen, Schüsseln. Meine Sachen sollen im Alltag verwendet werden können. Sie sind ja auch spülmaschinenfest und für die Mikrowelle geeignet. Sie sollen eben praktisch sein und gut in der Hand liegen. Neuerdings wage ich mich jetzt auch an Dinge, die längst vergessen sind, wie zum Beispiel ein Butterkühler. Hin und wieder fertige ich auch größere Stücke an, wie Vasen. Farblich mag ich es eher dezent. Blümchen wird es bei mir nicht geben. Ich benutze lieber dunkel unterlegte Stempel. Doch natürlich male ich auch Motive. Nach wie vor finde ich den Apfel als Motiv niedlich und passend für Keramik.

Sie sind nun Neuling im Töpfereigeschäft. Es ist bestimmt schwer, sich einen Namen zu machen, oder?

Oh ja, das wird eine Herausforderung. Das ist mir bewusst. Wie schwierig es ist, habe ich schon gemerkt, als ich mich auf verschiedenen Töpfermärkten beworben habe. Viele haben mich als Anfängerin abgelehnt. Doch ohne die Märkte und ohne die geballte Aufmerksamkeit der Leute wird es nicht leicht. Töpferware ist nun einmal schwer zu vermarkten. Doch es gibt durchaus viele Leute, die das Individuelle suchen.

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