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Gut Kirschen Essen

von Sebastian Hein

Sabine Nitsche kann sich noch erinnern, wie sie als Kinder ausgelassen über grüne Wiesen und Felder getobt sind. Wie sie in diese Bäume geklettert sind, die im Frühling herrlich blühten und im Sommer voller süßer Kirschen hingen. Auf dem Weg hinaus zum Steinbruch in Großhänchen gab es diese wunderschöne Kirschbaumallee mit 40 Bäumen. Irgendwann einmal waren sie gepflanzt worden, damit sich Menschen versorgen konnten, wenn es mal wieder knapp war mit Lebensmitteln. „Viele Familien hatten einen Baum gepachtet, um Kirschen zu ernten“ sagt die 31-Jährige. Waren sie reif, traf sich das ganze Dorf, zum Pflücken, Naschen und Tratschen. Irgendwann war Schluss. Spätestens mit der Wende, als es Kirschen in jedem Supermarkt gab. „Seitdem pflegt und verschneidet niemand mehr die Bäume“, sagt Silvio Marticke. Auch er hangelte früher in den Ästen und mopste Kirschen. Heute schaut er nicht mehr gern die Allee hinauf, die längst keine mehr ist. Nur sechs Bäume haben die vergangenen Jahrzehnte überstanden. Äste wuchern in alle Richtungen, Kirschen hängen zwei Meter hoch. Da kommen keine Kinderhände mehr ran.

Sonderpreis für tolle Idee

 

„Deshalb hatte der Jugendclub die Idee, eine neue Allee anzulegen und für jedes unserer 27 Kinder im Ort einen eigenen Baum zu pflanzen“, sagt Silvio Marticke. Wie Sabine Nitsche gehört er dem Großhänchener Jugendclub an, auch heute noch, wo sie längst alle um die 30 Jahre alt und Eltern sind. „Doch wir sind alle geblieben im Dorf. Deshalb wollen wir mit einer neuen Kirschbaumallee etwas Bleibendes für unsere Kinder schaffen“, sagt Sabine Nitsche. Die 48-Stunden-Aktion vom 7. bis 9. Juni ist der passende Rahmen dafür. Diese kreisweite Initiative, bei der Jugendliche, Cliquen, Junge Gemeinden, Schulklassen oder Jugendfeuerwehren binnen 48 Stunden Ideen zu Taten werden lassen und mächtig anpacken. Gemeinsam setzen sie sich ein für den guten Zweck, um ihren Ort lebens- und liebenswerter zu machen. Ehrenamtlich, versteht sich. Unterstützt werden die Teilnehmer der 48-Stunden-Aktion unter anderem vom Bischofswerdaer Netzwerk für Kinder- und Jugendarbeit, vom Neukircher Verein Valtenbergwichtel und von Städten und Gemeinden. Insgesamt 81 Aktionen gibt es im Kreis, 18 im Bischofswerdaer Land mit über 270 jungen Leuten. Sechs Ideen – unter anderem die Kirschallee aus Kinderhand sowie der Bau eines Beachvolleyballplatzes in Frankenthal – wurden mit einem Sonderpreis der Sparkasse und einer Prämie von 250 Euro geehrt. Eben weil sie so besonders sind.

Von der Idee des Jugendclubs aus Großhänchen profitieren in erster Linie die 27 Kinder zwischen 0 und 15 Jahren, die künftig einem Bäumchen beim Wachsen zusehen und irgendwann draufklettern und Kirschen verputzen können. Es profitieren ihre Familien, die sich leckeren Kuchen und Marmelade erhoffen. Und letztlich gewinnt der gesamte Burkauer Ortsteil. Denn mit der neuen Kirschallee wird ein Stück Geschichte lebendig und kommt noch mehr Grün ins ohnehin idyllische Örtchen, in dem nur 140 Menschen zu Hause sind.

Sabine Nitsche und Silvio Marticke sind hier groß geworden. Kennen sich seit Kindertagen. Gemeinsam bereiteten sie die Pflanzaktion vor, die am Sonnabendnachmittag steigt und das ganze Dorf versammeln wird. „Zunächst mussten wir mit der Gemeinde sprechen, ihr gehört das Land. Doch es gab keine Probleme“, sagt Sabine Nitsche. In ihrer Familienkutsche und auf einem Hänger von Silvio Marticke wurden die neuen Bäume nach Großhänchen transportiert, aus Baumärkten und Gartencentern. Viele aus dem Dorf gaben Geld dazu. „Eigentlich ist ja jetzt keine klassische Pflanzzeit mehr. Deshalb mussten wir einige Märkte abfahren, damit wir so viele noch kriegen“, so Silvio Marticke.

So sind die Bäumchen unterschiedlich groß und stammen von einem Dutzend Sorten. „Es gibt Süß- und Sauerkirschen“, so Sabine Nitsche. Deshalb losen wir aus, wer welchen Baum bekommt.“ Es kann nun mal nicht jeder in den Genuss süßer Kirschen kommen. Doch Sabine Nitsche ist sicher, dass gern geteilt und getauscht wird. Allein aber den Kindern gehören die Bäume. An jedem steht der Name des kleinen Besitzers. Sie alle sind dabei, wenn ein Minibagger die Erde aushebt für die 27 neuen Kirschbäume, die vorerst noch von stabilen Dreiböcken gehalten werden.

Die Gehölze werden hintereinander gesetzt und füllen stellenweise Lücken in der noch mickrigen, ehemaligen Allee. Die Kinder werden die Erde fest andrücken und ihrem Baum viel Glück und viele Kirschen wünschen. An einigen Bäumchen hängen sogar schon welche. „Vielleicht reicht es ja schon für eine Ernte in diesem Sommer“, sagt Sabine Nitsche. Sie wird nichts dagegen haben, wenn die beiden Söhne Maximilian und Florian möglichst viele pflücken und nach Hause bringen. Jede Kirsche wird Kindheitserinnerungen wecken.

Sonnabend, 8. Juni, 15 Uhr: Pflanzaktion in Großhänchen mit Grillen am Feldweg in Richtung Steinbruch

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