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Modernes Leben im alten Rittergut

von Sebastian Hein

„Bocka hat genau diese Einsamkeit und Abgeschiedenheit, die Menschen brauchen, um sich zu besinnen“, so Carolin von Breitenbuch. In den Zimmern gibt es keinen Fernseher, keinen Ha...ndy-Empfang, höchstens W-Lan-Verbindung. 16.12.2014 Von Andreas Kirschke

Leben im alten Rittergut
Im historischen Rittergut Bocka lebt es sich gut. Immer wieder kommen Besucher zu Weiterbildungen und Schulungen ins Zentrumfür Kommunikation und Führung. Die Bewohner Carolin von Breitenbuch, ihren Mann Philipp und die Kinder freut es.

Die Wände atmen Geschichte. Jahrhundertealte Steine ruhen darin. „Wir wollen sie für die Nachwelt retten und so original wie möglich erhalten. Wir wollen das Gut sanieren, ohne zu zerstören. Das ist ein ständiger Spagat zwischen Erhalten und Wiederherstellen“, sagt Carolin von Breitenbuch (42). Gemeinsam mit ihrem Mann Philipp (43) und den Kindern lebt sie seit 2010 auf dem Rittergut Bocka. Zur gewerblichen Nutzung ist hier ein Zentrum für Führung und Kommunikation entstanden. „Die Lausitz kannte ich früher nur durch die Braunkohle“, schildert Carolin von Breitenbuch, gebürtig in Düsseldorf.

Als 14-Jährige besuchte sie Dresden. Der Gemeinschaftsgedanke zur Sanierung der Frauenkirche begeisterte sie später. Schwiegervater Bernd von Breitenbuch aus Jena hatte in der Wendezeit das Gut Neustädtel bei Ostro geerbt. Seit 2006 lebt er dort. Er sanierte das Gut. „2003 besuchte ich mit meinem Mann erstmals die Gegend“, erzählt Carolin von Breitenbuch. Damals führte der Weg auch nach Bocka. Das Gut war völlig verfallen. Ins Haupthaus regnete es rein. Quer durch den Hof verlief ein riesiger Graben. „Mein Schwiegervater wollte das Gut nicht noch weiter verfallen lassen. Er konnte sich jedoch nicht darum kümmern“, schildert die engagierte Frau. „So entschieden wir jungen Leute uns gezielt dafür.“

„Ich blieb ohne innere Wurzeln.“

Carolin von Breitenbuch, studierte Juristin und Betriebswirtin, ist Kommunikations-Trainerin für Führungskräfte. Viele Jahre reiste sie quer durch Europa. „Ich war unterwegs von Hotel zu Hotel. Doch ich blieb ohne innere Wurzeln. Die Teilnehmer blieben es letztlich auch. Das hehre Ziel, Menschen zusammenzuführen, damit sie sich und ihren Umgang tiefer reflektieren, war so nicht zu verwirklichen.“ Die Sehnsucht nach Erdung und Verwurzelung wuchs. Ein Zentrum sollte dafür entstehen – ein Zentrum zum Ankommen und Erden, ein Zentrum gezielter Schulung für Führungs- und Mitarbeiter-Kommunikation – für Carolin von Breitenbuch und andere Referenten. „Bocka hat genau diese Einsamkeit und Abgeschiedenheit, die Menschen brauchen, um sich zu besinnen“, so Carolin von Breitenbuch. In den Zimmern gibt es keinen Fernseher, keinen Handy-Empfang, höchstens W-Lan-Verbindung. Das Gut liegt landschaftlich reizvoll. Und doch liegt es verkehrsmäßig günstig unweit der Autobahn. Seit 2007 gehört von Breitenbuchs das Gut Bocka. In einem Kraftakt wird es seit April 2009 saniert. Seit Juli 2010 lebt die Familie hier.

Das frühere Kartoffel-Lager-Haus ist heute Wohnhaus. Der einstige Kuhstall dient als Seminar-Gebäude. Im Herrenhaus gibt es jetzt zwölf Gästezimmer. Fast minimalistisch und individuell sind sie eingerichtet. Viel Licht hellt die Zimmer auf. Bereits Ende 2010 gab Carolin von Breitenbuch ihr erstes Seminar im Gut Bocka. Geschäftsführer mittelständischer Firmen aus Westdeutschland bildeten sich weiter.

Anfang 2011 kamen erstmals Firmen aus Ostdeutschland. Chefärzte aus Kliniken berieten hier. „Sie nahmen sich viel Zeit, um über die Strategien ihrer Kliniken neu nachzudenken und zu diskutieren. Auch hier ging es vor allem um die Mitarbeiter-Kommunikation. In vielen Häusern krankt sie“, sagt Carolin von Breitenbuch. „Dabei ist klar erwiesen: Mitarbeiter bleiben nur langfristig in Firmen, wenn das Arbeitsklima freundlich und motivierend ist, wenn Kommunikation und Führung stimmen. Das schließe mit ein, dass auch Führungskräfte kritikfähig sind. Die Inhalte der Weiterbildungen bestimmen die Unternehmen und Einrichtungen selbst. Carolin von Breitenbuch kann referieren oder moderieren. „Meine regionalen Kunden freuen sich sehr, dass wir unser Zentrum hier eröffnet haben“, erzählt sie.

Stolz reden beide sorbisch

Ihr Mann Philipp arbeitet heute als Chefarzt für Chirurgie in der Elbland-Klinik Radebeul. Ihr Sohn besucht seit dem zweiten Lebensjahr den Ostroer Kindergarten in Trägerschaft des Sorbischen Schulvereins. Ihre Tochter geht in die Sorbische Grundschule Panschwitz-Kuckau. Stolz reden beide sorbisch. „Das bereichert sie und uns sehr. Jede Sprache weitet den Horizont. Sie öffnet für andere Kulturen. Sie eröffnet mehr Chancen im Beruf“, meint die Mutter. Sie selbst spricht englisch, deutsch und französisch. Seit 2012 engagiert sie sich im Elternrat des Ostroer Kindergartens.

Schwiegervater Bernd von Breitenbuch lädt jährlich zur ökumenischen Andacht nach Neustädtel ein. „Hier kommen Sorben und Deutsche, Katholiken und Protestanten zusammen“, freut sich Carolin von Breitenbuch. Sie selbst ist evangelisch-lutherisch. Seit Kurzem engagiert sie sich mit im Gemeindekirchenrat in Uhyst am Taucher. „Das ist mir wichtig“, bekräftigt sie. „Denn ich glaube fest an die Ökumene.“

Zu Hause verblüffen sie die Kinder mitunter mit sorbischen Sätzen. „Ich sehe das als natürlichen Reichtum“, meint Carolin von Breitenbuch und lacht. „Einmal hat mich mein Sohn gefragt: ´Liegt Ostro in Deutschland?´ Und meine Tochter fragte: ´Wo sind die Frauen beim Osterreiten?´“ Das brachte selbst die geübte Kommunikationstrainerin ins Nachdenken.

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