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Schule im Bahnhof

von Sebastian Hein

Jörg Lehmann arbeitet als Ausbilder beim Technischen Ausbildungszentrum Sachsen. Wenn er Männer mal nicht gerade in die Handhabung eines Baggers einweist, hilft er bei der Sanierung des denkmalgeschützten Burkauer Bahnhof mit. In der einstigen Mitropa entstand ein Klassenzimmer für bis zu 15 Schüler. Fotos: Regina BergerJörg Lehmann arbeitet als Ausbilder beim Technischen Ausbildungszentrum Sachsen. Wenn er Männer mal nicht gerade in die Handhabung eines Baggers einweist, hilft er bei der Sanierung des denkmalgeschützten Burkauer Bahnhof mit. In der einstigen Mitropa entstand ein Klassenzimmer für bis zu 15 Schüler. Fotos: Regina Berger
©regina berger

Die Türen durften ihre schweren Klinken behalten. Von ihren dicken Farbschichten wurden sie befreit. Sie sind mühevoll abgeschliffen und neu lackiert worden. Die abgetretenen Fliesen in der einstigen Empfangshalle durften ihre Dellen und Löcher behalten. Sie sind nicht perfekt, aber original. Und deshalb einzigartig. 112 Jahre sind Türen und Fliesen alt. Sie machen bis heute den Charakter des Burkauer Bahnhofs aus, der noch vor wenigen Jahren zu verfallen drohte. Der Verein Technisches Ausbildungszentrum Sachsen – ein Bildungsträger für Baumaschinisten – hatte ihn 2007 von der Deutschen Bahn gekauft, mit dem ehrgeizigen Ziel, hier Bauleute für den Job fit zu machen und in Theorie und Praxis auszubilden. Wohl wissend, dass Sanierung und Umbau eine mächtige Herausforderung für den gemeinnützigen Verein sein würden. Doch es ist vollbracht: Nach sieben Jahren ist die Sanierung des ehemaligen Bahnhofes weitgehend abgeschlossen. Ab heute büffeln künftige Bagger- und Kranfahrer hier im neuen Klassenraum. Er war einst Mitropa.

Jörg Lehmann arbeitet als Ausbilder beim Technischen Ausbildungszentrum Sachsen. Wenn er Männer mal nicht gerade in die Handhabung eines Baggers einweist, hilft er bei der Sanierung des denkmalgeschützten Burkauer Bahnhof mit. In der einstigen Mitropa entstand ein Klassenzimmer für bis zu 15 Schüler. Fotos: Regina Berger

1969 fuhr der letzte Zug in Burkau, dann wurde das Dorf von der Verbindung Kamenz-Bischofswerda abgehängt. 1976 ratterte der letzte Güterzug über Gleise, die längst nicht mehr liegen. Später bezog die LPG die Räume. Nach Jahren des Leerstandes war das Gebäude 2007 eigentlich abbruchreif. Nässe war eingedrungen, ließ dielen faulen, Putz bröckeln und Tapeten von Wänden hängen. Fenster waren kaputt, Räume dreckig. Dennoch forderte schon die Entkernung Bedacht: „Der 1902 errichtete Bahnhof steht unter Denkmalschutz, weil er wie alle um die Kaiserzeit erbauten offiziellen Gebäude eine Klinkerfassade hat“, sagt Ausbilder Jörg Lehmann vom Verein. Der Großteil wurde zu DDR-Zeiten zugeputzt. Die wenigen Klinker, die sichtbar sind, rief die Denkmalschützer auf den Plan. „Wir mussten uns an allerhand Auflagen halten“, sagt Jörg Lehmann. Und so wurden die Rundbögen über den Fenstern erhalten. „Die alten Fenster aber konnten wir nicht mehr retten, sie wurden gegen neue Holzfenster ausgetauscht“, sagt Jörg Lehmann. In ihrer Form erhalten blieb auch die hölzerne Tür mit dem Ausgabefenster. Früher führte sie in die Mitropa, heute in den neu geschaffenen Unterrichtsraum. Tafel, Tische und 15 Stühle stehen drin, wie im restlichen Erdgeschoss wurde der Fußboden erneuert und mit Heizung ausgestattet. Die Wände bekamen neuen Putz und einen beigefarbenen Anstrich. „Zum Schutz der Wände haben wir eine Holzvertäfelung angebracht. Ein älterer Herr sagte uns dann während des Umbaus, dass es die sogar früher schon gab“, sagt Jörg Lehmann. Er freut sich darüber, will er doch so viel wie möglich erhalten, was an den Bahnhof erinnert. „Im ehemaligen Dienstzimmer wollen wir eine kleine Ausstellung mit alten Bahnutensilien aufbauen“, sagt er. Eine Bohrmaschine, mit der Schwellen montiert wurden, Wegweiser, Fahnen und Lampen hat er schon zusammengetragen.

Im ersten Obergeschoss entstand eine Wohnung für einen Ausbilder des Technischen Ausbildungszentrums. Das Dachgeschoss ist noch Baustelle. Hier wird es bis Mitte des Jahres Gästezimmer für Schüler geben. Sie kommen sogar aus Chemnitz oder Leipzig, um sich in Burkau als Bagger-, Kran- oder Gabelstaplerfahrer ausbilden zu lassen. Vor allem sind es Langzeitarbeitslose, die Hartz IV beziehen oder Arbeitslose, die wetterbedingt eine Zwangspause vom Job auf dem Bau machen. Die Kosten übernimmt die Arbeitsagentur über Bildungsgutscheine. Doch auch mancher Chef schickte schon einen Angestellten zur Qualifizierung, sagt Jörg Lehmann. Das von der Handwerkskammer anerkannte Zertifikat, das er nach erfolgreichem Abschluss ausstellt, fordert die Berufsgenossenschaft und ist ein Berufsleben lang gültig. Es stellt sicher, dass Bauleute die Maschinen effizient und sicher beherrschen. Deshalb pauken die Teilnehmer im neuen Klassenraum viel Theorie. Sie lernen, wie Maschinen aufgebaut sind, wie sie standsicher bleiben, Gruben ausgehoben werden und Füllgut aufgenommen wird. Und natürlich üben sie sich in der Praxis – in der Sandgrube vor dem Bahnhof. Auf 800 Quadratmetern darf gebuddelt werden – unter Anleitung von Experten. Das gesamte Außengelände wurde neu angelegt und von Dickicht befreit. Wege und Parkplätze ebnen Steine, die Jörg Lehmann und seine Mitstreiter mühsam aus dem ehemaligen Gleisbett ausgebuddelt haben. Viel Arbeit und Geld investierten sie in und um den Burkauer Bahnhof. Und sind doch noch nicht fertig. „Mit so einem alten Haus wird man das ja nie“, sagt Jörg Lehmann und schmunzelt. Ab heute aber ruht der Bau. Ab heute unterrichtet er wieder künftige Baumaschinenfahrer, damit sie endlich wieder Arbeit kriegen.

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