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Wer nur funktioniert, für den ist die Welt grau

von Sebastian Hein

SZ Bericht vom Montag, 30.06.2014     

„Wer nur funktioniert, für den ist die Welt grau“

Tierarzt Dr. Matthias Trauzettel reißt mit seinem Optimismus andere mit. Nicht nur beim Malen bevorzugt er freundliche Farben.

Von  Constanze Knappe   

  

Tierarzt Dr. Matthias Trauzettel aus Burkau wird in diesem Jahr 65. Dann werde er wohl etwas kürzer treten, sagt er. Doch zurückziehen wird er sich nicht. Seine Praxis führt er weiter. Vor wenigen Wochen wurde er ein weiteres Mal für fünf Jahre in den Gemeinderat gewählt. Nicht nur dort schätzt man seine konstruktive, ruhige, ausgeglichene Art. Darüber hinaus bekannt ist Matthias Trauzettel auch durch das jährlich erscheinende Oberlausitzer Hausbuch. Die darin enthaltenen Illustrationen stammen größtenteils von ihm. Die SZ besuchte ihn in seinem Bauernhaus an der Hauptstraße, in dem er seit 1974 lebt. Es ist das Haus seiner Großeltern.

  

Herr Dr. Trauzettel, Sie könnten im Herbst in Rente gehen, tun es aber nicht. Warum nicht?

  

Ich behalte meine Praxis noch zwei Jahre. Ich fühle mich gesundheitlich fit. Und ich bin gern draußen bei den Landwirten. Das nützt mir auch in meiner Funktion als Vorstandsvorsitzender der Molkereigenossenschaft Radeberg. Da kann man nicht nur so vom Schreibtisch aus entscheiden. Da ist es wichtig, in den Betrieben unterwegs zu sein, mit den Leuten zu reden, sich selbst davon ein Bild zu machen, wie Milchpreis und Landwirtschaft zusammengehen. 

  

Wie schwer ist es denn, einen Nachfolger für Ihre Tierarztpraxis zu finden?

  

Der Markt für Tierärzte ist hart umkämpft. Jedoch wollen die meisten eine Praxis für Kleintiere führen und nicht zu den Großtieren in die Landwirtschaft. Im Landkreis Bautzen sind wir da noch recht gut aufgestellt. Als Tierarzt hat man einen Betreuungsvertrag mit den Landwirtschaftsbetrieben. Ich könnte mir einen Nachfolger suchen und ihn dafür vorschlagen. Mit der Burkauer Agrar GmbH arbeiten wir an einer Lösung. Ohnehin wird es dann schwer, in die Arbeit des Nachfolgers nicht hineinreden zu wollen, wenn man es so lange gewöhnt ist, selbst zu entscheiden. Das geht einem ja in der Familie genauso. Doch irgendwann muss man die Kinder ihren eigenen Weg gehen lassen.

  

Kürzlich erst haben Sie wieder für den Burkauer Gemeinderat kandidiert und die meisten Stimmen bekommen – 426. Für Sie eine Genugtuung?

  

Eigentlich wollte ich nicht mehr zur Wahl antreten. Doch viele Burkauer, auch der Bürgermeister, haben mich angesprochen. Wir hatten im Unterschied zu anderen Gemeinden viele junge Kandidaten. Da ist es gut, wenn einige Gemeinderäte Erfahrung mitbringen. Das Geld muss zusammengehalten werden. Junge Leute sind euphorisch, da besteht die Gefahr, dass zu schnell Geld ausgegeben wird. Es wird gemeinsame Aufgabe sein, möglichst viel zu bewegen. Natürlich habe ich mich über das Wahlergebnis gefreut. Da kann meine 20-jährige Arbeit im Gemeinderat bisher ja nicht so verkehrt gewesen sein.

  

Bleibt trotzdem die Frage: Warum nehmen Sie das noch einmal auf sich ?

  

Ich möchte zu Ende bringen, was wir über die Jahre begonnen haben, wie den Erhalt unserer Kitas, des Bades und der Vereine. All das ist Lebensqualität auf dem Lande. Die ist aber nur zu sichern, wenn wir auch Landwirtschaft und Gewerbe fördern.

  

Wie bringen Sie Job und Ehrenamt unter einen Hut, wo sich Ihr Arbeitstag doch selten nach der Uhr richtet?

  

Mein Arbeitsrhythmus war schon immer eine gute Schule. Krankheitsfälle im Stall sind nicht voraussehbar, trotzdem muss man schnell reagieren. Ebenso wenn eine Kuh Hilfe beim Kalben braucht. Deshalb kann ich nicht verstehen, wenn ich einen Handwerker etwas frage und der mich auf nächste Woche vertröstet. Meine Frau Gudrun sagt, ich sei ein unruhiger Geist. Dank ihrer Mitarbeit in der Praxis konnte ich mich immer auch um andere Dinge kümmern.

  

Um die Malerei zum Beispiel. Wie sind Sie eigentlich dazu gekommen?

  

Mein Vater war Architekt. Er hat uns Kinder zum Malen angehalten und konsequent darauf geachtet, dass wir dranbleiben. Die Ausbildung für Architekturstudenten begann früher mit dem Freihandzeichnen. Da musste ich oft mit. Zur Jugendweihe bekamen die meisten anderen ein Fahrrad. Mich hat mein Vater stattdessen mit nach Prag genommen, auf Zeichenreise mit seinen Studenten. Damals habe ich deswegen ein langes Gesicht gemacht. Mit Abstand betrachtet, war es nicht die schlechteste Entscheidung.

  

Warum malen Sie?

  

Weil es mir Spaß macht. Für Menschen, die in ihrem Leben funktionieren müssen, erscheint die Welt nur grau. Wenn man malt, nimmt man viele schöne Details intensiver als andere wahr, die Welt wird bunt. Wer malt, kriegt einen anderen Blick auf seine Umwelt und ich denke, auch eine optimistischere Lebenseinstellung.

  

Ist Malen für Sie Entspannung oder Herausforderung?

  

Beides. Entspannung, wenn ich mich nach einem Tag voller Aufregungen damit herunterholen kann. Herausforderung, wenn man in vier Stunden fertig sein muss oder bei längerer Arbeit die Sonne wandert und sich die Schattenbilder verändern. Das Abziehen von Holzschnitten kann außerdem richtig Knochenarbeit sein.

  

Bedauern Sie, dass Sie das Malen nicht zu Ihrem Beruf gemacht haben?

  

Manchmal weiß ich das gar nicht so genau. Bei meinem Vater ging die Creme de la Creme der Künstler ein und aus. Bei Werner Klemke vom „Magazin“ (eine beliebte Zeitschrift in der DDR – d. Red.) habe ich bei den Arbeiten an Holzschnitten zugeschaut. Nicht etwa, um abzukupfern, sondern um mir die Technik einzuprägen. Mein Vater hätte gern gesehen, dass ich Künstler geworden wäre. Mein Großvater in Burkau, bei dem ich die meiste Zeit der Ferien verbracht habe, hat immer gesagt: Junge, lern’ erst mal was Richtiges, Maler kannste immer noch werden. So ist es dann auch gekommen.

  

Einen Tierarzt ohne Tiere kann man sich nicht vorstellen. Was gehört bei Ihnen alles dazu?

  

Hund, Katze und ein paar Schafe. Die halten unsere Wiesen in Ordnung. Bei den Landfrauen in Großdrebnitz lassen wir die Wolle spinnen. Schafwollsocken sind schön warm, wenn man den Winter über im Stall zu tun hat. Bei den Landwirten bin ich für meine dicke Strickweste bekannt. Wenn ich die Ende Oktober anziehe, ist der Winter nicht mehr weit, sagen sie.

  

Und Sie züchten Zierfische?

  

Mein Großvater schenkte mir mein erstes Aquarium, da war ich sechs Jahre alt. Jetzt habe ich immer zwischen 25 und 35 Aquarien. Die Genetik beschäftigt mich. Also die Frage, wie sich zum Beispiel Flossenformen und Farben beeinflussen lassen. Genetik gehört zur Ausbildung der Veterinäre und ein bisschen auch bei den Landwirten dazu. Mich hat das Thema schon an der Uni fasziniert. Wäre 1989 die Wende nicht gekommen, wäre ich vielleicht in der Forschung gelandet.

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