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Wunderbar provisorisch

von Sebastian Hein

Weil ihre Kita gebaut wird, sind Burkauer Kinder in die Turnhalle gezogen. Alltag mal anders. Von Carolin Menz

Ein Tor fürs Bücherregal. Das hat doch Charme – und oben drüber b...aumelt der Basketballkorb. Kinder können jederzeit eine der Geschichten herausgreifen.Ein Tor fürs Bücherregal. Das hat doch Charme – und oben drüber baumelt der Basketballkorb. Kinder können jederzeit eine der Geschichten herausgreifen.
© thorsten eckert

Benjamin, Charlie, Anthea und Frieda lassen sich auf weiche Kissen plumpsen. Verschnaufen, bevor sie wieder Holztürme stapeln, Puppen in der Miniküche bekochen, in Büchern schmökern oder sich auf großen Matratzen auskitzeln. Spielen geht gut in ihrer Kita. Nur vor wenigen Tagen waren Puppen und Bücher mal kurzzeitig abgemeldet. Da wollten Benjamin und Co. lieber Regale ausräumen, Spielzeug sortieren, Kisten packen. Sie wollten mithelfen beim Auszug ihrer Kita und gleichzeitigem Einzug in die benachbarte Turnhalle. Hinein ins große Abenteuer. Die Burkauer Turnhalle ist das außergewöhnliche Übergangsquartier für 60 Kinder, während ihr „Kükenhaus“ innen komplett saniert wird. Nach knapp drei Wochen sind Erzieherinnen und Kinder angekommen. Ihr Alltag ganz normal. Und doch mehr als ein bisschen anders. Eine Turnhalle ist nun mal keine Kita – und doch wurde sie eine.

Vier Gruppenräume gibt es, eine Messebaufirma hat innerhalb weniger Stunden die Wände aufgestellt. Direkt unter der langen Fensterfront der Turnhalle, damit es schön hell drin ist und die Morgensonne grüßen kann. „Die Räume sind mit 50 Quadratmetern sogar zehn Quadratmeter größer als die in der Kita“, sagt Kita-Leiterin Sonja Eisold. Deshalb fand alles problemlos Platz, was Kinder und Kita-Alltag so brauchen. Tische und Stühle für Trinkpausen und gemeinsames Puzzeln. Schränke für die Mittagsschlaf-Liegen. Spielteppiche. Körbe mit Bausteinen und Plastiktieren. Matten zum Lümmeln. „Natürlich haben wir nicht alles mit in die Turnhalle genommen“, sagt Sonja Eisold. Einiges – vor allem Möbel – lagern im Container auf dem Hof der Kita. Er ist rappelvoll. Und doch war der Auszug die Gelegenheit, Spielzeug und Materialen auszurangieren und zu ordnen. Viel sammelt sich an in einer Kita.

Natürlich gab es Auflagen für den zeitweisen Betrieb der Kita – von Jugendamt- und Bauamt. Weil es keine niedrigen Toiletten in der Turnhalle gibt, steht nun ein kleines Podest darunter. Höckerchen erlauben, dass Waschbecken für schmutzige Kinderhände erreichbar sind. Glücklicherweise gibt es eines, das fest verankert tiefer hängt. An einer schmalen Holzlatte, montiert an einem unumkippbaren Metallgestell, sind Handtuchhaken geschraubt. In Körperhöhe der Kinder. Eine hohe Hürde auch Kleiderhaken in der Umkleide. Kinder gelangen nicht allein hinauf. Eltern packten deshalb bunte Boxen, die aufgereiht auf der Bank Sonnenhüte, Cremes und Krimskrams Platz geben. „Überhaupt ziehen die Eltern von Beginn an gut mit, ich habe bislang noch nichts negatives zum Ausweichquartier gehört“, so Sonja Eisold. Sie, ihre 13 Kolleginnen, Eltern, Mitarbeiter von Träger Awo und Gemeinde haben sich alle Mühe gegeben, die große Turnhalle zur Kita zu machen. Charmant ist das Bücherregal im Fußballtor. Praktisch ist, die Netze vor Fenstern als Pinnwand zu nutzen. Die Sprossenwand ist abgedeckt mit weißen Tüchern, die Kinder am womöglich gefährlichen Klettern hindern. Bunte Zuckertüten baumeln am Stoff und machen es bunt. So nett kann provisorisch sein. Anders als gewöhnlich auch der Mittagsschlaf. „Da muss es mucksmäuschenstill sein, auch wir reden nicht“, so Sonja Eisold. „Man hört ja alles.“ Räume und ihr Büro haben zwar Türen, doch keine Decken.

Für Krippenkinder wäre all das aber undenkbar. Sie werden während der Bauarbeiten im Hortgebäude betreut. Die Küche wurde zum Bad umfunktioniert – Wickeltisch und Töpfchen. In den übrigen Räumen wird gegessen, gespielt, geschlafen. Auch dieser Einzug verlief unkompliziert, wie Sonja Eisold sagt. Ihren großen Garten können alle Kinder wie gewohnt nutzen.

Im „Kükenhaus“ ist derweil Dreck und Staub. Fast alles wird neu. Elektrik, Deckendämmung, zusätzlicher Fluchtweg aus dem Keller, Küchenumbau, Schaffung neuer Zimmerzugänge erfordern grobe Eingriffe in die Substanz. Später werden teilweise Heizkörper sowie der komplette Fußboden erneuert und Wände gestrichen. 246000 Euro werden investiert. Awo und Gemeinde teilen sich die Summe. Im vergangenen Jahr war bereitsdie Fassade gedämmt worden. Mit neuen Fluchtreppen bekam jeder Gruppenraum einen Ausgang in den Garten. 180000 Euro kostete das.

Bauen – für Kita-Chefin Sonja Eisold Umstand, aber kein Schrecken. Im Haus aus den 1970er Jahren wurde immer mal modernisiert – Türen, Fenster, Heizungsanlage, Bäder. Zweimal schon sei das „Kükenhaus“ komplett ausquartiert gewesen, sagt sie. Seit 30 Jahren leitet Sonja Eisold das „Kükenhaus“. Im Jubiläumsjahr kann sie sich auf ein rundum verschönertes freuen. Klappt alles, ist in drei Monaten wieder Umzug.
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